Tür 1 Casa-Adventkalender

Eine WUNDERvolle Weihnachtsgeschichte erzählt von Dubravka Savic, DGKP, Casa Marienheim

Es war mein zweites Weihnachten im Marienheim, im Jahre 2008. Aber eigentlich begann die Geschichte vor Weihnachten, schon im September. Wir bekamen einen neuen Bewohner, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl saß und nicht mehr sprechen konnte. Außer durch das Wort „Nein“ und Daumen nach oben und unten zeigen, konnte er sich nicht verständigen. „Nein“ bedeutete jedoch auch manchmal „Ja“, was oft zu Missverständnissen führte. Sein Schicksal hatte ihn in recht jungen Jahren getroffen. Er war erst 62 Jahre alt und damit unser jüngster Bewohner. Es machte uns traurig zu sehen, dass er bei unseren Unterhaltungen mit anderen BewohnerInnen  nur zuschaute oder erst gar nicht aus seinem Zimmer kam. Mit Frau S. hatten wir eine wirklich liebe und hilfsbereite Bewohnerin. Eines Tages sagte sie bestimmt: „Wir werden ihm das Sprechen beibringen!“. Gesagt, getan.

Jeder von uns wurde gebeten immer wieder die gleichen Worte zu sagen. Herr W. sollte diese anschließend wiederholen. Natürlich war das nicht leicht, da Herr W. sehr apathisch und immer wieder traurig war. Manchmal brauste er auf, wenn es ihm nicht gelang einzelne Worte zu wiederholen. Doch unsere liebe Frau S. gab nicht auf. Sie hatte ungemein viel Geduld. Mit ihrem Scharm, Witz und ihrer Empathie gewann sie Herrn W. auf ihre Seite. Er bemühte sich sehr und wir sahen wie wohl er sich in ihrem Beisein fühlte. Tag für Tag und Woche für Woche wurde geübt. Er begann einfache Wörter wie „Hallo“ und „Guten Tag“ zu wiederholen. Weihnachten rückte immer näher und Frau S. kam auf die Idee, seine Frau zu überraschen. Sie lernten jeden Tag.

Am 24. Dezember war es soweit. Schon in der Früh begannen die Vorbereitungen für die Festlichkeiten. Wir wollten, dass alles gut funktioniert: Tische decken, Jause vorbereiten, alles musste an seinem Platz sein. Einige Angehörige meldeten sich freiwillig, um uns beim Fest zu unterstützen.

Um 15 Uhr war alles vorbereitet. Alle saßen schon an ihren Plätzen, auch die Ehefrau von Herrn W. war dabei. Sie sollte neben ihrem Mann sitzen. Doch er fehlte. In dem Moment waren wir uns nicht ganz sicher, ob alles klappen würde. Auf einmal kam Herr W. im Rollstuhl um die Ecke gefahren neben ihm Frau S.. Er nahm bei seiner Ehefrau Platz und eine kurze Pause entstand. Frau S. schaute zu ihm, nickte mit dem Kopf und er sagte laut: “FROHE WEIHNACHTEN!“. Seine Frau und die anderen BewohnerInnen schauten alle verblüfft. Frau W. flossen die Tränen. Sie antwortete mit „Frohe Weihnachten!“ und küsste ihren Mann.

Unsere liebe Frau S. setzte sich auf ihren Stuhl und versuchte ihre Tränen zu verstecken. Alle zusammen sangen wir „Alle Jahre wieder“.

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